Geographie und Klima

Ayent © Michel Darbellay – MW-Martigny
Der erste Grund, der einem in den Sinn kommt, um den Bau und die Entwicklung der Walliser Suonen zu erklären, ist natürlich die Tatsache, dass weite Gebiete unter relativer Trockenheit leiden, während in der Nähe Flüsse fliessen, die in der heissen und trockenen Jahreszeit durch das Schmelzen der Gletscher gespeist werden.
Das Wallis ist ein in den Alpen gelegenes, 110 km langes Tal zwischen parallel verlaufenden Bergketten; den Walliser und den Berner Alpen, welche den Durchzug von atlantischen und mediterranen Störungen verhindern. Darum erhalten die höheren Regionen reichhaltige Niederschläge, aber in der Ebene und in den tieferen Lagen ist das Klima heiss und trocken.
Trotz der Vielfalt der Mikroklima in einem Grossteil der Anbaugebiete zwischen Brig und Martigny gilt für die ganze Region: Hinsichtlich der absoluten Niederschläge und ebenso der regenfreien Tage ist der Kanton Wallis der trockenste Kanton der Schweiz.
Während die Regionen des Schweizer Mittellandes und die Täler der Voralpen jährlich jeweils mehr als 1000 mm und 1500 mm Niederschlag erhalten, ist die Niederschlagsmenge im Jahresmittel des vergangenen Jahrhunderts im Talgrund zwischen Martigny und Brig und in den Ebenen der grossen Seitentäler deutlich niedriger, wo sie bei etwa 600 Millimeter pro Jahr liegt.
Das Klima
Die Geografen weisen noch auf eine andere Besonderheit hin: Selbst bei gleicher Höhenlage verteilen sich die Niederschläge im ganzen Kanton unterschiedlich: So steigern sie sich in den Berner Alpen vom Morcles-Massiv im Westen Richtung Jungfrau, während sie sich in den Walliser Alpen ostwärts vom Massiv des Montblanc zur Monte-Rosa-Gruppe und zur Mischabelkette abnehmen. Das Chablais und das Goms erhalten wie die Voralpen weit grössere Niederschlagsmengen. Damit wird verständlich, warum die Regionen auf der Sonnenseite des Zentralwallis und um Visp die meisten Suonen aufweisen, während es im Chablais und im Goms praktisch keine gibt.
Überdies verstärkt die Verdunstung den Niederschlagsmangel. Die Besonnung ist vor allem im Zentralwallis hoch: zwischen 1901 und 1993 betrug sie 2014 Stunden im Jahresdurchschnitt in Sitten. Im Vergleich dazu waren es 1647 Stunden in Neuenburg.
Insgesamt gesehen ist – wie André Mermoud, Professor am Eidgenössischen Polytechnikum in Lausanne, bemerkt – der Wassermangel zu beträchtlich, um eine optimale landwirtschaftliche Produktion zu sichern, denn zieht man eine Bilanz zwischen den Niederschlägen und den Wasserverlusten, fehlen für die Sommerperiode (…) in der Ebene des Mittelwallis Niederschlagsmengen in der Grössenordnung von 300 mm. Das entspricht pro Quadratmeter Kulturland 300 Liter Wasser, die für eine ideale Bewirtschaftung fehlen.

Salgesch © Jean-Henry Papilloud – SHVR
Diese klimatischen Merkmale hinterlassen natürlich ihre Spuren in der Landschaft. Der Walliser Naturwissenschaftler Jean-Marc Pillet beschreibt dies so: « Geht man das Rhonetal von Martinach aufwärts, erscheinen die ersten Steppen, die flaumhaarigen Eichenwälder, die Kiefernwälder und die Spezialkulturen, die sich an die geringe Feuchtigkeit angepasst haben. Die steilen Abhänge, der Föhn (warmer und trockener Wind) und die Talwinde verstärken die Auswirkungen der Trockenheit und verleihen der der Flora sowie dem allgemeinen Erscheinungsbild der Gebiete einen mediterranen Anstrich. Wie die Bewohner anderer Alpentäler mit ähnlichem Merkmalen – etwa das Aostatal, das Isère (Tarantaise) und das Arctal (Maurienne), das Val di Susa (Piemont) und das Romanchetal, das Durance (Briangonnais) und das Queyrastal, das Engadin (Graubünden) und die Tiroler Täler – griffen die Walliser zur künstlichen Bewässerung, um den Wassermangel einigermassen zu beheben.
Wo der Niederschlagsmangel vor allem in den heissen Sommermonaten deutlich spürbar ist, müssen die benötigten Wasserzufuhren durch jene Flüsse oder Wildbäche gespiesen werden, die nicht vom Regen abhängig sind. Im Wallis ist das Wasser aus der Gletscherschmelze die wichtigste Quelle der künstlichen Bewässerung. Daher werden die bedeutendsten Suonen des Wallis durch Gletscherbäche gespiesen. Am rechten Ufer sind dies die Morge, die Lienne, die Raspille, die Dala, die Massa, und linksseitig die Vispa, die Navizence, die Borgne und die Printze. Wie Emmanuel Reynard feststellt, können aber das trockene Klima und die Gletscherbäche nicht die einzigen Gründe für die Existenz der Suonen sein. Man könne nicht von Unfruchtbarkeit reden, denn
Landbau sei, klimatisch gesehen, grundsätzlich auch ohne künstliche Bewässerung überall möglich. Neben den klimatischen Daten zeigen andere, ebenso wichtige Faktoren, warum die Walliser ein Bewässerungsnetz aufbauen mussten, welches die Bewunderung der Beobachter hervorgerufen hat. Die historische Entwicklung ist in dieser Hinsicht sehr aufschlussreich.
Fortsetzung: Geschichte

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| Bewässerung in Saas-Fee © Pierre Odier – MW-Martigny |

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| St. Niklaus-Tal © Charles Paris – MW-Martigny |

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| Zermatt © Charles Paris – MW-Martigny |

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| Bineri, Grächen © Martin Fardey, SHVR, 2008 |

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| Gstein, Mund © Martin Fardey, SHVR, 2007 |

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| Nessjeri © Martin Fardey, SHVR, 2009 |

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| Nirwäch, Ausserberg © Martin Fardey, SHVR, 2008 |

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| Salgesch © Charles Paris – MW-Martigny |